20 Juli 2011

 

Island-Reise: Juli 2011

Hinweis: Bilder zum Vergrößern anklicken

19.07.2011
Zusammen mit einem ehemaligen Arbeitskollegen, Ewald Tinnacher, machte ich eine Rundreise durch Island. Ewald machte sich die Mühe und plante die Reise inklusive der Unterkünfte und ich ließ mich vom Streckenverlauf überraschen.
Mit der Airline Iceland Express ging es von Flughafen Hahn nach Kevlavik (ca. 40km von Reykjavik entfernt). Der Flug ging zwei Stunden später als geplant. Der Flug selbst war einwandfrei. Am Flughafen in Kevlavik wurden nicht einmal die Pässe kontrolliert.
Es war noch Zeit, ins Zentrum von Reykjavik zu fahren und ein wenig in der relativ kleinen Hauptstadt auf Sightseeing-Tour zu gehen. Der Verkehr hielt sich in Grenzen. Generell ist es entspannend, in Island Auto zu fahren. Viel Sehenswertes bietet Reykjavik nicht. Die älteste Kirche und das Parlament stehen m Stadtzentrum nebeneinander. Eine im Jahr 1933 errichtete Kirche hat ein besonders interessantes Aussehen.
Übrigens musste ich mich daran gewöhnen, dass es hier im Sommer 24 Stunden hell ist.
Übernachtet hatten wir in einem Guesthouse am Stadtrand von Reykjavik. 

20.07.2011
Mit dem Wetter hatten wir Glück. Die meisten Fotos konnten wir bisher mit Sonne machen. Die erste Attraktion die wir am heutigen Tag anfuhren, waren die Erdbebenspalten in Thingvellir. Hier driften die amerikanische und die eurasische Erdplatten auseinander und sorgen für tiefe und lang gezogene Erdspalten. An einer Stelle stürzte ein Wasserfall über hohe Basaltklippen.
Als nächste Attraktion steuerten wir ein thermales Gebiet mit Geysiren an. Allerdings war nur der Geysir Strokkur aktiv - aber dies alle 5 bis 10 Minuten. Der einstige Hauot-Geysir ist mittlerweile nicht mehr tätig. Jede Menge Zuschauer standen um den aktiven Geysir herum und warteten auf die bis zu 15m hohe Fontäne. Ansonsten gab es in dem Thermalgebiet ein paar heiße Pools zu bewundern.
Die dritte Sehenswürdigkeit, die wir besuchten, war der mächtige Wasserfall Gulfoss. Über zwei Ebenen stürzten die Schmelzwasser eines Gletschers in die Tiefe. Auch hier pilgerten Scharen von Besuchern zur Sensation. Für Fotografen war es natürlich schwierig, Aufnahmen ohne Personen zu machen. An einer Zugangsstelle war das Spritzwasser des Gulfoss derart stark, dass Besucher eine kleine Dusche erhielten.
In der Nähe des Gulfoss Wasserfalls hatten wir eine Unterkunft. Dort durften wir in einem Jakuzzi mit warmem Wasser aus einer Tiefbohrung unsere strapazierten Beine pflegen. 

21.07.2011
Von den Gulfoss Wasserfällen fuhren wir auf der Staatsstraße 35 weiter nach Norden in das so genannte Hochland. Nach 15km ging der Fahrweg in eine Naturstraße über. Nun musste der Leihwagen beweisen, was er kann. Die Straße war äußerst ruppig und staubig. Am heutigen Tag fuhren wir mit Abzweigungen ungefähr 135km auf dieser Piste.
Eine erste Abzweigung führte uns in das Thermalgebiet von Kerlingerfjöll. Auf dem Weg dorthin musste der Leihwagen auch einige steinige und steile Passagen meistern. Die Gegend von Kerlingerfjöll war bunt. Auf Grund des Schwefels, der hier aus dem Boden strömte, überwiegten gelbe Farbtöne. Ein abwechslungsreicher Kontrast zum monotonen Grau im vulkanisch geprägten Hochland. Insbesondere die Schneefelder bildeten einen hübschen Gegensatz zur schwefelhaltigen Umgebung. Einige Fumarole und kleinere Quellen mussten wir durch eine kurze Wanderung erschließen. Das Schwierigste an dieser Fußtour war das steile Gelände.
Interessanterweise waren viele Radfahrer auf der Naturstraße unterwegs. Gut bepackt mit Campausrüstung ließen sich einige mutige Radfahrer selbst von den Schlaglöchern und Steinen auf der Piste nicht abschrecken. Deren größeres Problem waren wahrscheinlich die überholenden Autos, die jede Menge Staub aufwirbelten - nicht gerade optimal für die Lunge.
Der zweite Abstecher von der Staatsstraße 35 war auch gleichzeitig unsere Stelle zur Übernachtung. Das Thermalgebiet von Hveravellir erreichten wir relativ früh. Eine Wanderung von fast 6km führte uns durch ein 6000 Jahre altes Lavagebiet. Teilweise wirkte die Lava noch recht frisch. Danach besichtigten wir die thermischen Attraktionen von Hveravellir. Ein System von Holzstegen leitete durch einige sprudelnden Quellen. Ein blubberndes Schlammloch und ein zischender Kegel ergänzten die thermischen Sehenswürdigkeiten. In Hveravellir gab es lediglich ein paar Hütten zwecks Unterkunft. Es gab auch kein Lebensmittelgeschäft. Daher waren wir vom Essensangebot der Unterkunft abhängig. Da nur noch Massenbetten zur Verfügung standen, zog ich es vor, im Auto zu übernachten. Vorsorglich hatte ich einen Schlafsack und ein Kopfkissen mit auf die Reise genommen. 

22.07.2011
Nach einem rudimentären Frühstück fuhren wir von Hveravellir weiter nach Norden. Die ersten 80km bestanden natürlich wieder aus einer Naturstraße. Allerdings war diese Strecke besser zu befahren als am Vortag. Bei Blöndvos an der Nordküste Islands ging der Straßenbelag endlich wieder in Asphalt über. Es kostete schon einige Nerven, die Konzentration über viele Kilometer Buckelpiste aufrecht zu halten. Ab Blöndvos folgten wir der Staatsstraße 1 (Ringsraße) nach Osten bis Akureyri. Auf diesem Streckenabschnitt gab es nichts Außergewöhnliches, das uns zum Anhalten zwang.
Akureyri ist mit 16000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt auf Island. Am Nachmittag durchwanderten wir diesen Ort und besichtigten alle Sehenswürdigkeiten. Viele waren es allerdings nicht. Einige hübsche und bunte Häuser waren es Wert fotografiert zu werden.
In einer Pizzeria aßen wir zu Abend. Die Pizza war zwar etwas größer als in Deutschland, leider aber auch mit umgerechnet 12€ doppelt so teuer wie in Deutschland. Generell ist Island ein teures Pflaster. Der Preis für einen Liter Benzin lag bei 1,51€. Der isländischen Kaufkraft entsprechend war das eigentlich relativ günstig, denn die Preise für Lebensmittel waren mindestens 50% höher als in Deutschland.
Ein Nachtquartier erhielten wir in einem Guesthouse 8km westlich von Akureyri. 

23.07.2011
Dem Ambiente entsprechend war das Frühstück im Guesthouse bei Akureyri reichhaltig. An einer roten Marmelade hatte ich mich allerdings vergriffen. Was als süße Marmelade geplant war, entpuppte sich als feurige Paprika-Marmelade. Nach Aussage der Angestellten mögen manche Isländer angeblich diese Art Marmelade.
Das erste Ziel des Tages war der mächtige Wasserfall Godafoss (Wasserfall der Götter). Während der Christianisierung der isländischen Bevölkerung soll ein Missionar die Götzenstatuen der Einheimischen am Wasserfall in den Fluss geworfen haben. Jede Menge Wasser teilte sich in der Breite über vier Wasserfälle auf. Einige hundert Meter weiter flussabwärts hatte sich mit dem Geidafoss ein weiterer kleinerer Wasserfall gebildet. Sogar eine natürliche Doppelbrücke konnte am Ufer besichtigt werden. Allerdings ließ die Lage eine fotografische Aufnahme nicht zu.
Das zweite Ziel des Tages war der Myvatn-See. Ungefähr 100km östlich von Akureyra befindet sich dieser See. Am Ostufer gab es einige interessante Felsformationen. Am Südufer erhoben sich einige kleine Krater, die bereits überwachsen waren. Im Westen des Myvatn-See gibt es kaum interessante Szenen.
Wenige Kilometer östlich des Sees erhebt sich mit dem Hverfjall ein Krater größeren Durchmessers. Wir machten uns die Mühe und stiegen den Schotter-Berg hinauf. Anschließend umrundeten wir den Krater auf seinem oberen Rand. Im Krater selbst befindet sich ein kleiner Konus. Ansonsten wächst im Hverfjall-Krater rein gar nichts. Er besteht lediglich aus Lavaschotter.
Nach der Wanderung am Hverfjall-Krater fuhren wir vom Myvatn-See aus für ungefähr 8km nach Norden. Dort befanden sich einige thermale Gebiete.  Die erste Fläche, die wir anfuhren, war Hverir. Hier zischte es aus einigen Fumarolen, die aussahen wie kleine Vulkane. Allerdings bestanden einige dieser Objekte aus übereinander getürmten Steinen. In mehreren bunten Schlammlöchern blubberte aufsteigendes Gas. Dementsprechend roch es überall nach Schwefel.
Das nächste Thermalgebiet befand sich nur wenige Kilometer nördlich bei Kravla. In der Sektion Leirhnjukur (das ist kaum auszusprechen) wanderten wir 4,7km durch riesige Lavafelder, vorbei an warmen Seen und qualmenden Bodenöffnungen. Gelbe Hügel und Schneereste bildeten hübsche Kontraste zur schwarzen Lava. Durch den Qualm der aus dem Boden stieg, machte die Lava den Eindruck, als würde frisches Vulkangestein gerade abkühlen.
Einen weiteren Kilometer weiter besichtigten wir das Thermalgebiet von Viti. In der Hauptsache handelte es sich hierbei um einen Krater mit einem See. Auch den Viti-Krater umrundeten wir. An einigen Stellen, wo Schwefelgase aus dem Boden aufstiegen, hatte die Erde herrlich bunte Farben.
Da wir im Guesthouse bei Akureyri eine zweite Übernachtung gebucht hatten, mussten wir die Strecke wieder zurück fahren. In Akureyri machten wir einen Zwischenstopp und genehmigten uns ein Abendessen in einem thailändischen Restaurant. Das Ambiente war zwar alles andere als thailändisch, aber das Essen war einwandfrei. Erstaunlicherweise waren die Preise zum Teil günstiger als in einer Pizzeria. Nur beim Bier hätte ich mich fast verschluckt. 0,5l Bier kosteten umgerechnet 6€. 

24.07.2011
Von Akureyri aus ging es heute zunächst nach Osten zum Myvatn-See (allerdings ohne Besichtigung). Von dort bogen wir nach Norden ein. Ziel waren drei Wasserfälle im zentralen Teil von Island. Unplanmäßig ging die Straße von Asphaltbelag in eine Graded Road über. Sie war zwar relativ gut befahrbar, aber viel Staub wirbelten wir trotzdem auf. Letztlich mussten wir von den 357 Tageskilometern ungefähr 90km auf der unbefestigten Straße fahren.
Im längsten Canyon Islands (25km) befanden sich die drei Wasserfälle. Bis auf die schlechte Anfahrt, waren diese gut zu erreichen. Erster Wasserfall auf der Strecke war der Dettifoss. Mit einer Fallhöhe von 45m und einer Breite von 100m war er der größte Wasserfall des Tages. Leider war das Wasser sehr sandig und der Wasserfall entsprechend grau statt weiß. Vom Dettifoss aus wanderten wir 2km flussaufwärts zum Selfoss (Foss heißt übersetzt Wasserfall). Der Selfoss hatte zwar nur eine Fallhöhe von 10m, war aber wesentlich interessanter als der Dettifoss. Aufgeteilt in viele schmale Wasserfälle ist der Selfoss wesentlich breiter. Die Aufnahme der gesamten Breite ist nur aus der Distanz möglich. Leider war auch hier das Wasser wegen dem mitgeführten Sand dunkel gefärbt (es war eben der gleiche Fluss). 2km weiter flussabwärts vom Dettifoss stürzte mit dem Hafragilsfoss der Kleinste der drei Wasserfälle in die Tiefe. Der Hafragilsfoss hatte eine Fallhöhe von 27m. Während wir bei den beiden ersten Wasserfällen direkt an den Wasserfall treten konnten, war der Hafragilsfoss nur von einem entfernten Aussichtspunkt aus einsehbar.
Wir fuhren die Graded Road weiter bis zum Ort Asbyrgi. Unterwegs nahm ich noch ein paar fotogene Lavaformationen auf. Bei Asbyrgi besichtigten wir die senkrechten Felswände eines hufeisenförmigen Canyons. Von dort leitete die glücklicherweise geteerte Straße 85 bis zur Ortschaft Husavik. Auf dem Weg dorthin erreichten wir den nördlichsten Punkt unserer Island-Rundreise. In Husavik legten wir einen Zwischenstopp ein und besichtigten den Flecken an der Nordküste Islands. Von hier aus starten Walbesichtigungen - immerhin mit einer Trefferquote von 95% (vielleicht wurde die Zahl frisiert, damit Touristen nicht abgeschreckt werden).
Zwecks Übernachtung mussten wir wieder in Richtung Akureyri fahren. Allerdings hatten wir diesmal eine Unterkunft 30km östlich von Akureyri. 

25.07.2011
Um 4 Uhr morgens schreckte uns die Alarmanlage der Unterkunft auf. Minutenlang heulte die Sirene, bis der Eigentümer endlich aus dem etwas abseits stehenden Nachbarhaus kam. Wahrscheinlich hatte jemand im Zimmer geraucht und dadurch den Alarm ausgelöst. Übrigens wirkte im Guesthouse noch vieles provisorisch. Türrahmen fehlten, Steckdosen waren noch nicht komplett und der hintere Teil des Gebäudes war nicht verputzt. Erst kürzlich wurde der Stall des Anwesens zum Guesthouse umgestaltet.
Nach dem Frühstück ging unsere Fahrt weiter nach Osten. Über die Straße mit der Bezeichnung F88 bogen wir in südliche Richtung zum Gletscher Vatnajökull ab. Über 100km intensive Rüttelpiste wartete nun auf uns. An diesem Tourentag hatten wir weniger Glück mit dem Wetter. Es nieselte ab und zu und die Wolken hingen so tief, dass die umliegenden Berge nicht zu sehen waren. Der erloschene Vulkan Askja sollte unser erstes Tagesziel sein. Drei breitere Flüsse mussten wir überqueren, bis wir den Vulkan erreicht hatten. Die permanente Rüttelei durch die teilweise äußerst holperige Naturstraße kostete wieder einige Nerven. Ohne Vierradantrieb wäre die Tour über das zentrale isländische Hochland nicht möglich gewesen. Ein Wanderweg von 2,5km Länge brachte uns zum Kraterrand des Askja. Das Innere des Vulkans ist mit warmem Wasser gefüllt. Es ist möglich, zum warmen Kratersee hinab zu steigen und im Wasser zu baden. Durch den Nieselregen war der lehmige Abstieg aber rutschig geworden und wir verzichteten auf ein Bad. Zumindest umrundeten wir den Krater. Interessant war auch ein See in unmittelbarer Nachbarschaft zum Askja. Auf diesem See trieben Eisschollen.
Danach ging die Fahrt weiter bis Kverkfjöll am Vatnajökull-Gletscher. Der Vatnajökull ist Islands größter Eisriese. Bei Kverkfjöll gab es Eishöhlen zu besichtigen. Allerdings erreichten wir die Eishöhlen nur über eine 2km lange steinige Zufahrt. Das Auto tat mir während der Fahrt leid. Ein kurzer Fußmarsch brachte uns letztlich zum Ziel. In die Eishöhlen wagten wir uns nicht. Das Eis war zu brüchig.
In Kverkfjöll übernachteten wir. Auch hier gab es lediglich Massenunterkünfte. Ich zog es daher vor, im Auto zu übernachten. An diesem Tag hinterlegten wir mit 300km die weiteste Strecke. Über 200km davon mussten wir auf Naturstraßen bewältigen. Insbesondere die Passagen durch Lavafelder gestalteten sich wie eine Achterbahn: In engen Kurven Auf und Ab. 

26.07.2011
Da die Unterkunft in Kverkfjöll nur für Selbstversorger eingerichtet war, mussten wir das Frühstück selbst organisieren. Wir hatten dementsprechend am Vortag eingekauft.
Ohne warmen Kaffee im Bauch machten wir uns auf den Weg nach Osten. Natürlich war die überwiegende Strecke wiederum ohne Asphalt. Wir hatten wieder das volle Programm: Schlaglöcher, Sand, Steine und Wasser.
Das erste Highlight auf der heutigen Etappe war ein warmer Wasserfall im Tal Laugarvalladalur. Wir ließen uns nicht die Gelegenheit nehmen und nahmen ein Bad im Becken des Wasserfalls. Da der Wasserfall nur eine Fallhöhe von ungefähr drei Meter hatte, konnten wir uns ohne Schmerzen den Rücken massieren lassen.
Auf dem weiteren Weg nach Osten kamen wir an dem kürzlich erstellten Staudamm Landsvirkjum vorbei. Der Landsvirkjum-Damm dient überwiegend zur Stromgewinnung eines Aluminiumwerkes. Unser Streckenverlauf führte uns über den Damm.
Das Gebiet um den Wasserfall Hengifoss beendete unser Sightseeing an diesem Tag. Über 2,5km mussten wir über steiles Terrain zum Wasserfall aufsteigen. Unterwegs hatten wir herrliche Motive von weiteren kleineren Wasserfällen. Ein Wasserfall unterhalb des Hengifoss trug den Namen Litlanesfoss. An dieser Stelle bildeten sich im Laufe der Jahrtausende sechseckige Basaltsäulen. Diese hatte ich zum ersten Mal im Devils Postpile NM in Kalifornien gesehen. Erst im letzten Steckenabschnitt unserer Wanderung bekamen wir die kompletten Ausmaße des Hengifoss zu sehen. Das Besondere an diesem Wasserfall ist nicht nur seine Fallhöhe. Die Klippe, über die er in die Tiefe stürzt, bestand aus vielen bunte Schichten.
Nach 256km erreichten wir unsere Unterkunft südlich der Stadt Egilsstadir. 

27.07.2011
Unsere Fahrt ging von Egilsstadir überwiegend an der Ostküste entlang weiter nach Süden. Südwestlich von Breiddalsvik unternahmen wir eine Wanderung nach drei unbenannten Wasserfällen. Der letzte der Wasserfälle war 4,2km vom Ausgangspunkt entfernt. Leider meinte es der Wettergott an diesem Tag nicht gut mit uns. Je näher wir dem Endziel kamen, umso stärker fiel der Sprühregen. Aber auch der Sprühregen sorgte auf die Dauer für nasse Füße. Der Wanderweg selbst war nicht markiert und oft nicht mehr vorhanden. Glücklicherweise war das Gestrüpp nur knöchelhoch und große Flächen waren mit einem dichten Moosteppich überdeckt. Dadurch konnten wir problemlos querfeldein marschieren. Trotz aller Widrigkeiten lohnte die Tour wegen der fotogenen Wasserfälle.
Einige Landschaftszenen entlang der Ostküste waren trotz tief hängender Wolken möglich. Bizarre Felsen im Hinterland und einzeln stehende Felstürme im Meer wären bei sonnigem Wetter natürlich optimaler zu fotografieren. Insbesondere der Strand bei Tyrkjaurd hatte interessante Formationen.

Nach 320km erreichten wir den kleinen Ort Höfn. Wenige Kilometer südlich von Höfn übernachteten wir in einen der vielen Edda-Hotels. Edda-Hotels sind normalerweise Unterkünfte für Schulkinder. Während der Sommerferien werden die Zimmer für Touristen angeboten. 

28.07.2011
Heute hatten wir wieder viele Anfahrtsstellen zur Besichtigung auf dem Programm. Der Himmel lockerte sich glücklicherweise auf und die Sonne ließ sich wieder blicken. Lediglich einmal mussten wir durch ein Regengebiet fahren.
Die interessanteste Sehenswürdigkeit hatten wir gleich zu Beginn unserer Tagestour. Südlich von Höfn reichen die Gletscherzungen des Vatnajökull bis fast ans Meer. An vielen Stellen hatten sich am Ende der Gletscherzungen Seen gebildet. Auf einigen dieser Seen trieben Eisschollen auf dem Wasser. Mit Jökulsalon fuhren wir den ersten Gletschersee an. Große und kleine Eisschollen trieben auf dem See. Sie bildeten zum Teil skurrile Formen im blauen Farbton. Wenn der Wind nicht zu heftig blies, spiegelten sich die Eisschollen im Wasser. 
Über eine 6km lange Gravelroad fuhren wir den nächsten vermeintlichen Eissee an. Die Fahrt zum Bredsarlon-See war allerdings umsonst. Wahrscheinlich war der See zu warm, als dass hier Eisschollen überleben könnten. Eine Wanderung zum Rand eines Gletschers mussten wir abbrechen, weil ein breiter Fluss unser Abenteuer blockierte. Wenige Kilometer weiter stießen wir aber wieder auf einen See mit Eisschollen. 
Auch auf dem Fjallsarlon brachen große Eisbrocken vom Rand einer Gletscherzunge ab und trieben im kalten Wasser.
Unsere Fahrt ging anschließend auf der Staatsstraße 1 weiter in südwestliche Richtung. In dem kleinen Ort Hof besichtigten wir ein Weltkulturerbe der UNESCO. Eine so genannte Torfkirche ist unter besonderem Schutz gestellt worden. Ein so genanntes Torfgebäude ist zum Teil in die Erde hinein gebaut, während gleichzeitig das Dach mit Erde (Torf) bedeckt ist. Die Kirche in Hof wurde im Jahr 1884 errichtet. Insgesamt soll es nur noch 5 solcher Torfkirchen geben.
Auf der weiteren Fahrt nach Südwesten kamen wir wieder an markanten Wasserfällen vorbei (in Island entwässern unzählige Flüsse als kleine, unbedeutende Wasserfälle). Ein Rundwanderweg von etwas mehr als 3km Länge führte uns an den drei Wasserfällen Hundafoss, Magnusfoss und Svartifoss vorbei. Letzterer war der Wasserfall mit der größten Fallhöhe. Das Besondere am Svartifoss waren große Basaltsäulen, die wir bereits zwei Tage vorher auch am Litlanesfoss sahen. Wie überall an sehenswerten Stellen in Island, so waren auch hier viele Touristen unterwegs. Beim Fotografieren mussten wir (wie fast überall) geduldig warten, bis sich die Menschenmengen aufgelöst hatten.
Bei Nupsstadur fanden wir ein kleines Dorf mit mehreren so genannten Torfhäusern vor. Einige dieser Hütten und eine Torfkirche konnten eingesehen werden. Darunter waren eine Scheune, ein Hammelhaus und eine Schmiede. Die Gebäude wurden zum Teil im 18.Jahrhundert errichtet.
Kurz vor dem Erreichen unseres Übernachtungsortes besichtigten wir einen weiteren Wasserfall (wir konnten sie bereits nicht mehr zählen). Der Tverarfjall war eingebettet in einer wilden Felskulisse. Der Wind blies während unseres Besuches derart heftig, dass das Wasser ab und zu zur Seite geweht wurde und nicht in das Aufprallbecken fiel.
Zum Abschluss des Tages unternahmen wir eine Rundwanderung in Kirkjubaejarklaustur (man muss den Namen nicht lesen können), dem Ort unserer Unterkunft. Der Systrafoss (ein Wasserfall, was sonst) und ein See standen auf dem Programm. Ein steiler Steig führte am Wasserfall vorbei auf eine Anhöhe. Dort befand sich ein See, der den Systrafoss speist. Der Rundweg führte einige Kilometer weiter durch eine Schlucht wieder hinunter in den Ort Kirkjubaejarklaustur. Weil die Zeit bereits fortgeschritten war, hielten wir Rast in einem Restaurant und aßen zu Abend.
Nach 230km parkten wir unseren Leihwagen etwas außerhalb des Ortes am Hotel Laki. Das Hotel war noch nicht komplett fertig gestellt. Einige Abschnitte der Außen- und Flurwände waren noch nicht verputzt. Das schreckte uns jedoch nicht ab - letztlich erhielten wir wegen Fehlbuchung jeder ein Einzelzimmer mit eigener Dusche und WC. Eigene sanitäre Anlagen auf dem Zimmer ist für Island nicht üblich. 

29.07.2011
Heute war ein regelrechter "Mülltag". Bei leichter Bewölkung starteten wir voller Elan in Richtung Landsmannalaugar, im zentralen Süden Islands. Ungefähr 200km unfreundliche Schlaglochpiste warteten auf uns. Die ersten niedrigen Flüsse meisterte unser Mietwagen ohne Probleme. Während der Durchquerung eines Flusses versagte aber plötzlich unser 4-Rad-Antrieb. Wir blieben mitten im Fluss stehen. Der Motor lief zwar noch, aber der Antrieb streikte. Also stiegen wir mit Sandalen aus dem Wagen und ins kalte Wasser. Zu zweit konnten wir das Auto nur 1m weit schieben. Erst mit der Hilfe eines Franzosen schafften wir es, den Wagen aus dem Fluss zu schieben. Telefonkontakt zur Mietstation war wegen eines Funklochs nicht möglich. Wir öffneten die Motorhaube und ließen den Motorblock etwas trocknen. Nach circa 15 Minuten Wartezeit griff glücklicherweise die Kupplung wieder und wir konnten unsere Fahrt fortsetzen. Am nächsten Fluss hatte sich das Auto eines deutschen Paares am Ufer festgefahren. Wir versuchten mit einigen anderen Helfern den Wagen frei zu bekommen. Alle Mühen misslangen. Erst mit Hilfe eines Busses gelang es, den Wagen aus dem feinen Lavasand zu ziehen.
Mit über einer Stunde Verspätung erreichten wir Landsmannalaugar. Das Gebiet von Landsmannalaugar ist ein beliebtes Touristengebiet und bietet viele Wanderstrecken. Da regnerisches Wetter vorhergesagt wurde, begannen wir sofort mit einer 6,5km langen Wanderung. Diese führte durch herrlich bunte Schluchten und an ebenso bunten Hügeln vorbei. Auch eine Durchquerung eines Lavaflusses mit Obsidian-Gestein beinhaltete die Route. Als wir den kleinen, aber bunten Berg Brennisteinsalda anfingen zu besteigen, holte uns das regnerische Wetter ein. Heftiger Wind und Regen begleiteten uns nun für den Rest unserer Rundwanderung.
Von Landsmannalaugar fuhren wir weiter auf ungeteerten Straßen zum Vulkan Hekla. Diesen 1400m hohen Vulkan wollten wir besteigen. Trotz Regen starteten wir unser Vorhaben. Auch zwei Mädchen ließen sich nicht vom Wetter abhalten. Mühsam kämpften wir uns bei starkem Regen und Wind bis auf 1100m hoch. Nach 1,5 Stunden und 4km brachen wir frustriert die Besteigung des Hekla ab. Die Wolken ließen in Gipfelnähe ohnehin nur eine Sicht von ungefähr 50m zu. Mit durchnässten Schuhen traten wir den Rückweg an. Die beiden Mädchen kamen uns während des Abstiegs entgegen. Trotz fortgeschrittener Zeit wollten sie die Bergbesteigung nicht aufgeben.
Vom Vulkan Hekla aus fuhren wir weiter in den Süden bis in die Nähe des Wasserfalls Skogafoss.
Im kleinen Örtchen Skogar bezogen wir ein Edda-Hotel als Nachtquartier. Wir erhielten sogar ein Lehrerzimmer. Das heißt, wir hatten ein Vorzimmer mit Schränken voller Unterrichtmaterialien. 

30.07.2011
Unser erstes Tagesziel lag sozusagen gleich um die Ecke. Wenige Autominuten von der Unterkunft entfernt befand sich der Skogafoss. Mit einer Höhe von 62m und einer Breite von 25m zählt er zu den mächtigsten Wasserfällen Islands. Über einen Steig mit 200 Stufen erreichten wir auch die Fallkante des Skogafoss.
Nur wenige Kilometer entfernt warteten die nächsten Wasserfälle auf uns. Von vier Wasserfällen in unmittelbarer Nachbarschaft war der Seljalandsfoss spektakulär. Dieser Wasserfall hatte eine Halbhöhle geformt, durch die man gehen konnte. Dadurch gelangten die Besucher direkt hinter den Seljalandsfoss. Andernorts mussten hierfür Tunnels gebohrt werden (wie zum Beispiel bei den Niagarafällen in Kanada/USA).
Von den Wasserfällen aus peilten wir die Gebirgslandschaft von Thörsmörk an. Leider führte wieder einmal eine Naturstraße zu diesem sehenswerten Ort. Das alleine wäre nicht das Problem, wenn nicht etliche Flüsse zu überqueren wären. An einem Fluss hatten wir wieder das Pech, dass der Antrieb unseres Leihwagens mitten im Fluss versagte. Also stiegen wir nach bekanntem Muster aus dem Wagen ins kalte Wasser. Diesmal war aber sofort ein Einheimischer anwesend, der uns mit seinem Abschleppseil aus dem Fluss zog. Nach einem Anruf beim Vermieter erhielten wir die entscheidende Information, wie unser Leihwagen wieder in Gang gebracht werden konnte: Bremse und Kupplung gleichzeitig treten. Und es geschah das Unglaubliche - der Antrieb griff wieder.
Wir durchquerten noch einige kleinere Flüsse. Ungefähr 4km vor Thörsmörk schien uns aber ein stark strömender und tiefer Gletscherfluss doch zu riskant für unseren Suzuki Grand Vitara. Mit einem 4-Radantrieb-Auto, dass eine Nummer größer gewesen wäre, hätten wir die Durchquerung geschafft. Vorsichtshalber bliesen wir zum Rückzug.
Mittlerweile holte uns auch wieder der Regen ein. Wir fuhren auf der Staatsstraße 1 weiter nach Osten bis nahe der Ortschaft Vik. Dort befindet sich das Kap Dyrholaey. Nicht der Leuchtturm bildete dort die Attraktion, sondern eine Klippenlandschaft mit einer riesigen Natürlichen Brücke. Wir wanderten sogar auf diesen Felsbogen hinauf. Das Kap Dyrholaey ist übrigens der südlichste Punkt des "festländischen" Island.
Unser Abendessen nahmen wir in einem Restaurant in Vik ein. Über die Ringstraße (Staatsstraße 1) fuhren wir wieder einige Kilometer nach Westen bis zu unserer Unterkunft. 

31.07.2011
So langsam nervte der Regen. Leider meinte es auch heute der Wettergott nicht gnädig mit uns. Wir besuchten noch einmal das Kap Dyrholaey. Einige fotogene Felsnadeln am Meer hatten wir gestern ausgelassen. Während unseres Besuches kam zum Regen auch noch starker Wind hinzu. Mit allen Tricks mussten wir arbeiten, um die Kameralinse trocken zu halten. Die Küste von Dyrholaey ist auch bekannt als Nistplatz der Papageitaucher. Nur leider nisteten diese Vögel an steilen Klippen. An einem Hang versuchten wir nahe an die Papageitaucher zu gelangen. Der Hang war porös und durch den Regen rutschig geworden. Näher als 10m kamen wir nicht an die Vögel heran. Und von unten konnten wir sie nicht gut fotografieren.
An einer der hohen Steilklippen am Kap Dyrholaey wollten wir die Papageitaucher von oben sehen. 2km schafften wir uns bei Regen und starken Sturmböen die Klippe hinauf. Die Böen waren so stark, dass wir wie Betrunkene hin und her torkelten. Bis zum Klippenrand hatten wir uns allerdings wegen der Sturmböen nicht gewagt - wir hatten kein Interesse auf einen freien Fall. Auf dem Rückweg zum Auto mussten wir gegen den Wind arbeiten. Der Sturm peitsche uns den Regen und kleine Steinchen ins Gesicht. Gerade die Steinchen taten uns weh. Trotz Regenjacke und -hose erreichten wir völlig durchnässt das Auto und steuerten das nächste warme Kaffeehaus an. Nun hatten wir zumindest ein so genanntes Island-Tief hautnah erlebt.
Nach dem Kap Dyrholaey folgten wir der Staatsstraße 1 nach Westen in Richtung Reykjavik. Einige Torfhäuser und ein an einen Felsen angepasstes Steinhaus fotografierten wir auf dieser Strecke - und natürlich einen weiteren Wasserfall. In Hvoltvöllur fanden wir eine Übernachtung. 

01.08.2011
Heute war unser letzter kompletter Tourentag. Von Hvoltvöllur fuhren wir nach Südwesten. Das Wetter war zunächst recht freundlich. Das erste Ziel, dass wir ansteuerten war der Wasserfall Urridafoss unweit der Ringstraße 1. Dieser Wasserfall hatte zwar nur eine Fallhöhe von maximal 6m, aber er ist einer der wasserreichsten Wasserfälle Islands.
Die weitere Fahrt brachte uns zum Thermalgebiet Seltun. Hier blubberte und zischte es an vielen Ecken. Ein Holzsteg leitete an den heißen und bunten Stellen vorbei. Ein kurzer Abstecher auf einen Hang erlaubte einen weiten Panoramablick auf die Umgebung von Seltun.
Auf ungeteerten Straßen (wieder einmal) fuhren wir weiter bis zur Küste südlich von Kevlavik. Dort, an den schwarzen Steilküsten, hofften wir den Vogel Papageitaucher aus der Nähe zu sehen. Hierzu mussten wir 3km bis zur Küste wandern. Wie so häufig in den letzten Tagen: Wenn wir längere Wanderungen unternahmen, fing es an zu regnen - so auch diesmal wieder. Unsere Mühe wurde leider nicht belohnt. Außer eine schöne Klippenlandschaft und Möwen fanden wir keine Papageitaucher.
Auf der Fahrt in Richtung Keflavik kamen an der so genannten Blauen Lagune vorbei. Die warmen und mineralhaltigen Abwässer eines geothermischen Kraftwerks dienen Einheimischen und Touristen als Badevergnügen. Die Mineralien sorgen für eine türkisblaue Farbe des Wassers.
Da wir an diesem Tag um 16:00 Uhr den Leihwagen wieder abgeben mussten, fuhren wir ohne weitere Umwege nach Keflavik. In der Nachbarschaft zum Flughafen erhielten wir eine Hotel-Unterkunft. Der Leihwagen wurde am Hotel abgeholt.
Insgesamt 3334km hinterlegten wir unbeschadet mit dem Leihwagen. Auch eine relativ kleine Insel kann bei entsprechend vielen Seitentrips für viele Kilometer sorgen. 

02.08.2011
Der Rückflug von Keflavik nach Hahn war 1,5 Stunden später als in den Reiseunterlagen angegeben. Durch das Internet hatten wir dies aber frühzeitig erfahren und dementsprechend die Weckzeit arrangiert. Der Shuttlebus des Hotels brachte uns zum Flughafen.

Fazit der Island-Rundfahrt: Mit Ewald kann man hervorragend Reisen durchführen. Er plante die Tour mit Hilfe seines Navigators fast immer metergenau.

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